Dissense in der Philosophie

Semantische und epistemologische Grundlagen.
Ein Gemeinschaftsprojekt von Prof. Dr. Elke Brendel und Prof. Dr. Thomas Grundmann

Das Projekt

Der Dissens ist ein Motor des Fortschritts in den Wissenschaften. Lassen sich Dissense jedoch nicht auflösen, dann gibt es offenbar einen rationalen Druck auf alle Beteiligten, das eigene Urteil abzuschwächen oder sogar ganz zurückzunehmen. Wenn es in einer Disziplin regelmäßig zu solchen unauflösbaren Dissensen kommt, dann ist die epistemische Integrität der ganzen Disziplin in Gefahr. Die Philosophie scheint diese Bedingung geradezu paradigmatisch zu erfüllen.

Um diese Einschätzung fundiert bewerten zu können, wird das vorliegende Köln-Bonner Kooperationsprojekt zunächst die Semantik und die Epistemologie von Dissensen genauer untersuchen.
Im semantischen Teil (Projektteil A, Uni Bonn) wird untersucht, in welchen Formen Dissense auftreten können und, vor allem, welche Arten von Dissensen überhaupt implizieren, dass nur eine Partei Recht haben kann. Die Frage, wie sich nicht-substanzielle Dissense, in denen die Parteien entweder aneinander vorbei reden oder beide Seiten Recht haben, theoretisch modellieren und praktisch erkennen lassen, wird ein Schwerpunkt dieses Projektteils sein.
Im erkenntnistheoretischen Teil (Projektteil B, UzK) soll genauer untersucht werden, ob und unter welchen allgemeinen Voraussetzungen ein unauflösbarer substanzieller Dissens rational die Urteilsenthaltung beider Parteien verlangt. Diese Voraussetzungen betreffen zum einen die Logik der Anfechtung zum anderen die Frage, ob dieselben Gründe unter bestimmten Bedingungen verschiedene Urteile rechtfertigen können. Beide Themenkomplexe sollen in eigenständigen Teilprojekten untersucht werden.
Im Anwendungsteil des Projekts (Projektteil C) soll schließlich untersucht werden, inwieweit in der Philosophie tatsächlich substanzielle Dissense vorliegen und wie wir uns, sofern das der Fall ist, diesen Dissensen gegenüber rational verhalten sollten. Dazu soll es sowohl generelle Überlegungen zum Status der Philosophie als auch zwei Fallstudien zu Dissensen in der gegenwärtigen Erkenntnistheorie geben.

Unterstützt von der DFG

Das Projekt "Dissense in der Philosophie. Semantische und epistemologische Grundlagen" wird von der DFG ab November 2015 für drei Jahre mit über einer halben Million Euro unterstützt.

Mitarbeiter

Dominik Balg

Dominik Balg ist Doktorand an der Universität zu Köln.

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Elke Brendel

Elke Brendel ist Professorin für Logik und Grundlagenforschung an der Universität Bonn. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Logik, Sprachphilosophie, Erkenntnistheorie, Argumentationstheorie und Wissenschaftstheorie.

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Felippo Ferrari

Filippo Ferrari ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Bonn. Er forscht hauptsächlich zu zwei Themengebieten: (i) Normative Aspekte von Untersuchungen, mit besonderem Fokus auf Dissens und Widerruf. (ii) Debatte zum Wesen von Wahrheit, insbesondere Deflationismus, Relativismus und Pluralismus.

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Thomas Grundmann

Thomas Grundmann ist Professor für Philosophie an der Universität zu Köln. Im Zentrum seiner Arbeit stehen die Erkenntnistheorie (Metaepistemologie und Methodologie, Soziale Erkenntnistheorie, Rationale Intuitionen und Gedankenexperimente, Angewandte Erkenntnistheorie), die Sprachphilosophie, Analystische Existenzphilosophie und die Philosophie des Geistes.

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Jan Wieben

Jan Wieben ist Doktorand an der Universität zu Köln. Sein Forschungsschwerpunkt und Thema der Dissertation ist die Theorie epistemischer Anfechtungsgründe und ihre Bedeutung für die Analyse des Dissenses zwischen Ebenbürtigen. Weitere Interessensgebiete sind die Konzeption epistemischer Autorität, die Analyse von Wissen-wie in Kontrast zu Wissen-dass und die Fruchtbarmachung des Begriffes der Disposition für Theorien des Wissens und der Rechtfertigung.

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Forschung und Veröffentlichungen

Elke Brendel

  • 2005: Why Contextualists Cannot Know They are Right: Self-Refuting Implications of Contextualism. Acta Analytica 20, 38–55.
  • 2009: Knowledge, Contextualism, and Moorean Paradox. In: Jäger, C./Löffler, W. (Hg.), Epistemology: Contexts, Values, Disagreement. Frankfurt am Main: Ontos, 15–40.
  • 2013: Wissen, Berlin/Boston: de Gruyter.
  • 2014: Contextualism, Relativism, and the Semantics of Knowledge Ascriptions. Philosophical Studies 168, 101–117.
  • 2015: Dissens und epistemischer Relativismus. In: Betz, G./Koppelberg, D./Löwenstein, D./Wehofsits, A. (Hg.), Weiter denken – über Philosophie, Wissenschaft und Religion, Berlin/Boston: de Gruyter, 153-169.

Filippo Ferrari

  • 2010: Relative Truth. Disputatio, 3(28): 334-343.
  • 2014: Radical Relativism and Retraction (with Dan Zeman). in Bacchini F., Caputo S., Dell'Ultri M. (eds), New Frontiers in Truth: Cambridge: Scholar Publishing, 80-102.
  • 2015: Truth and Naturalism (with Douglas Edwards and Michael Lynch) in Kelly Clark (ed.) Blackwell Companion to Naturalism, Oxford: Blackwell. (ISBN: 978-1-118-65760-7).
  • 2016: Disagreement about Taste and Alethic Suberogation Philosophical Quarterly (doi: 10.1093/pq/pqv116).
  • 2016: Assessment Sensitivity. Analysis (doi: 10.1093/analys/anw021)

Thomas Grundmann

  • 2009: Reliabilism and the Problem of Defeat. Grazer Philosophische Studien 79, 65–76.
  • 2010: Defeasibility Theories. In: Bernecker, S./Pritchard, D. (Hg.), Routledge Companion to Epistemology, London/New York: Routledge, 155–166.
  • 2013: Doubts about Philosophy? The Alleged Challenge from Disagreement. In: Henning, T./Schweikard, D. (Hg.), Knowledge, Virtue, and Action: Putting Epistemic Virtues to Work, London/New York: Routledge, 72–98.
  • 2014: Internalismus und Externalismus der Rechtfertigung. In: Kompa, N./Schmoranzer, S. (Hg.), Grundkurs Erkenntnistheorie, Paderborn: mentis, 63–79.
  • i.E.: Das Problem stabiler Dissense in der Erkenntnistheorie. In: Koppelberg, D./Tolksdorf, S. (Hg.), Erkenntnistheorie – wie und wozu?, Paderborn: mentis, 463–486.

Kooperationspartner

  • David Chalmers NYU

  • David Christensen Brown University

  • David Enoch The Hebrew University, Jerusalem

  • John MacFarlane UC Berkeley

  • Sanford Goldberg Northwestern University

  • Klemens Kappel Universität Kopenhagen

  • Christoph Kelp KU Leuven

  • Max Kölbel Universität Barcelona

  • Nikola Kompa Universität Osnabrück

  • Dirk Koppelberg FU Berlin

  • Dan López de Sa Universität Barcelona

  • Ernest Sosa Rutgers University

Kontakt / Impressum

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Cologne Epistemology
Chair of Epistemology, Philosophy of Science and Logic
Thomas Grundmann
Website
Universität zu Köln
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Albertus-Magnus-Platz 1
50923 Köln
Verantwortlicher Website:
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